Eine Frau in neuen Laufschuhen läuft auf einem schönen Weg am See entlang.

Welcher Laufschuh passt zu mir? Antworten auf die wichtigsten Fragen!

Glaubt man den Sportartikelherstellern, musst du eigentlich nur die passenden Laufschuhe kaufen – und schon rennst du so schnell und ausdauernd wie die Weltrekordhalter:innen Eliud Kipchoge und Brigid Kosgei.

Sich im Dschungel aus Fachbegriffen, Materialien und Empfehlungen zurechtzufinden kann echt eine Marathonaufgabe sein. So viel zu beachten, so viel Unsinn, so viele lockende Marketingversprechen. Wie lange sollten Laufschuhe halten, wann muss man die Laufschuhe wechseln? Welche Laufschuhe bei welchen Strecken? Fragen über Fragen. Und die Antworten? Meist unbefriedigend und verwirrend.

Deshalb haben wir mal genauer hingesehen. Und vor allem nachgefragt: Bei Björn Sturm, seines Zeichens Laufenthusiast, Ausdauerblogger (im wahrsten Sinne des Wortes) und Experte für Laufschuhe. Finden kannst du Björn auf ideale-gerade.de und auf Instagram als @idealegerade_2.0!

Und das Beste: Björn ist kein Sportartikelhersteller. Was er sagt, ist also neutral, objektiv und fair. Damit du bald schon vielleicht nicht Weltrekord läufst – aber umso entspannter, gesünder und fröhlicher deinem Ausdauersport nachgehen kannst. Denn darum geht es ja vor allem, oder? Um den Spaß, um das Runner’s High. Um eine gute Zeit. Die wünschen wir dir auch bei unserem Interview mit Björn.

Übrigens: Wenn du dann deine Laufschuhe gefunden hast, kannst du dir ja auch mal unsere Ausdauerprodukte für deinen Sport ansehen. Ob Liquid Gels, Iso Drinks, Sport Tablets oder Riegel: In unserem Online-Shop kannst du dich mit schnell verfügbaren Kohlenhydraten, Mineralstoffen, Proteinen und vielem mehr versorgen.

Und jetzt laufen wir mal los:

 

Laufschuhe kaufen? Björn Sturm von ideale-gerade.de kennt die besten Tipps

Die passenden Laufschuhe finden – gar nicht so einfach, wenn man nicht weiß, worauf man achten soll. Und damit nicht genug: Wie viele Kilometer sollten Laufschuhe aushalten? Was sind die besten Laufschuhe für Anfänger:innen? Und was in Marathons Namen bedeutet Sprengung bei Laufschuhen? Björn Sturm weiß Rat. Im Interview erklärt er uns ganz verständlich, ausführlich und vor allem objektiv, wann es Zeit für neue Laufschuhe ist, welche Rolle Design und Gewicht spielen und vieles mehr.

Hi lieber Björn, stell dich doch bitte kurz vor!

Holdrio! In der digitalen Läuferszene bin ich seit ein paar Jahren als „Ideale Gerade“ unterwegs. Vor Kurzem habe ich meinen 40. Geburtstag gefeiert – ganz schön alt, oder? Geboren bin ich an der Ostseeküste, genauer gesagt in Ueckermünde. Den Großteil meines Lebens habe ich jedoch im herrlichen Bayern verbracht. Seit fast 10 Jahren schnüre ich nun schon meine Laufschuhe. Vor über sieben Jahren habe ich durch das Laufen erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört, seitdem bin ich deutlich ambitionierter unterwegs. Durch das Laufen achte ich mehr auf meine Gesundheit, trinke kaum noch Alkohol und ernähre mich viel gesünder als früher. Meine Marathon-Bestzeit liegt bei 2:44:34 Stunden, zahlreiche Ultramarathons habe ich ebenfalls absolviert, darunter auch drei 100 Kilometer-Läufe auf eigene Faust. Im Prinzip mache ich lauftechnisch das, worauf ich Lust habe. Dabei laufe ich das ganze Jahr über, habe aber noch nie auf einen Trainingsplan zurückgegriffen.

Du betreibst den Blog ideale-gerade.de und bist auf Instagram sehr aktiv, um was geht es da?

Auf meinem kleinen Laufblog, vor allem jedoch auf Instagram unter @idealegerade_2.0, finden sich regelmäßig Eindrücke von meinen Einheiten und Laufveranstaltungen. Mich mit Gleichgesinnten über das Thema Laufen auszutauschen, ist dabei besonders spannend. So befrage ich andere Läufer:innen in sogenannten „Unter-Uns-Interviews“. Darin geht es um die Motive, Erfahrungen und Ziele anderer Läufer:innen. Denn schließlich haben wir alle unsere ganz persönlichen Geschichten zu erzählen. Mittlerweile sind dort viele aufschlussreiche Erfahrungsberichte, vor allem zu den neuesten Laufschuhen, und regelmäßig auch Gewinnspiele zu finden. Laufen ist für mich eine richtige Lebenseinstellung, es ist einfach und großartig! Ich möchte andere Menschen dafür begeistern und zugleich spannende Einblicke aus der Perspektive eines ambitionierten Hobbyläufers liefern.

Wenn ich Laufschuhe kaufen will, was sollte ich unbedingt beachten?

In meinen Augen ist ein guter Laufschuh das Wichtigste beim Laufen. Schon vor dem Kauf sollte man sich jedoch von dem Gedanken lösen, unbedingt mit einem bestimmten Schuh laufen zu müssen. In allererster Linie sollte ein Laufschuh nämlich zu mir und meinen Füßen passen – die Passform muss ohne Einschränkungen stimmen! Ich behaupte mal, dass man sich schon beim ersten Reinschlüpfen wohlfühlen sollte. Bereits die kleinsten Ungereimtheiten können sich später als richtige Problemquelle entpuppen. Sollte der Schuh also schon zu Beginn unangenehm reiben oder drücken, ist es de facto der falsche Runner. Zudem sollte sich der Laufschuh keinesfalls gegen den eigenen Laufstil richten. Wer mehr Stabilität und Halt benötigt, sollte sich Schuhe in entsprechenden Kategorien ansehen. Gleichzeitig sollte man ggf. Wert auf eine ausgeprägte Dämpfung legen. Die Haltbarkeit ist sicherlich genauso wenig zu vernachlässigen – schließlich möchte man lange Zeit etwas von seinen neuen Laufschuhen haben.

Sprengung und Co.: Was sind die wichtigsten Fachbegriffe, auf die ich beim Laufschuhkauf achten muss? Und was bedeuten sie?

Generell empfehle ich Neulingen zunächst einmal eine Laufbandanalyse, um das Bewegungsmuster des Fußes und Fehlstellungen valide festzustellen. Die Sprengung, also der Höhenunterschied zwischen Ferse und Vorfuß, hat ganz klar Auswirkungen auf das Laufverhalten. Laufschuhe mit Sprengung verfügen über eine höher gebaute Ferse. Eine niedrige Sprengung kann bei Einsteiger:innen jedoch zu einer erhöhten Belastung der Wadenmuskulatur und der Achillessehne führen. Wichtig ist auch das individuelle Abrollverhalten, wie also der Fußauftritt erfolgt und welcher Laufstil letztlich damit einhergeht. Daraus lässt sich oft die geeignete Laufschuhkategorie ableiten. Gleichzeitig spielt die Dämpfung – also wie stark sind die Schuhe gepolstert, um den Aufprall abzufangen – eine Rolle. Das Gewicht selbst sollte ebenfalls berücksichtigt werden – sowohl das eigene Körpergewicht als auch das der Laufschuhe. Leichtere Läufernaturen werden tendenziell leichtere Schuhe verwenden, während schwerere Läufer:innen ggf. stabilere Schuhe benötigen, die mehr Gewicht mitbringen.

Ein Mann und eine Frau laufen in Sportbekleidung über eine Brücke.

Mit den richtigen Laufschuhen geht das Laufen leichter. Und länger.

@iStock.com/shapecharge
 

Kann der richtige Laufschuh uns eigentlich wirklich schneller machen oder länger durchhalten lassen? Oder ist das nur Marketing?

Das ist zweifellos eine Wunschvorstellung! Ein hoher Fitnessgrad und ein spezifisches Training mit hoher Variabilität sind natürlich die Basis. Ein Schuh allein kann keine Wunder vollbringen. Der richtige Laufschuh kann beim schnellen und ausdauernden Laufen aber eine optimale Unterstützung gewährleisten. Genauso, wie ein unpassender Schuh trotz hervorragender Vorbereitung uns daran hindern kann, schnell oder ausdauernd zu laufen. Besondere Leistungen erzielen wir dann, wenn wir einen leichteren Laufschuh, idealerweise einen richtigen Wettkampfschuh, verwenden. Im Vergleich zu konventionellen Laufschuhen fürs Training kann dieser bis zu 100 Gramm pro Schuh ausmachen. Darüber hinaus gibt es leichte Laufschuhe, die hervorragend gedämpft sind und die notwendige Stabilität mitbringen. Lange Strecke lassen sich also sehr komfortabel und letztlich auch angenehmer bestreiten. Der richtige Laufschuh kann also den Unterschied ausmachen, aber nur, wenn der eigene Trainingsinput stimmt.

Die große Frage: Welcher Laufschuh passt zu mir? Wenn ich Laufschuhe kaufen will, wie läuft das am besten ab? Und wo sollte ich Laufschuhe kaufen? Online, im Fachgeschäft? Was rätst du mir?

Bei der Laufschuhwahl sollte man sich selbst erstmal ein paar wesentliche Fragen stellen, wie etwa: Wie schnell oder langsam kann und möchte ich überhaupt unterwegs sein? Welche Strecken möchte ich auf welchem Untergrund absolvieren? Wie wichtig sind mir per se Dynamik, Flexibilität, Gewicht oder Komfort? Die Antworten werden teilweise sehr unterschiedlich ausfallen. Idealerweise hat man vorher bereits eine Laufbandanalyse absolviert. Mit allen Antworten und Angaben im Gepäck würde ich dann das Gespräch in einem Fachgeschäft suchen. So lassen sich zielgerichtet sehr gute Empfehlungen für den richtigen Laufschuh abgeben. Anschließend würde ich beim Händler des Vertrauens in den ausgewählten Schuh reinschlüpfen, um direkt die richtige Größe festzustellen und die Passform zu überprüfen. Es kommt vor, dass gerade neue Modelle größentechnisch variieren. Da kann eine halbe oder ganze Größe den Unterschied ausmachen. Fürs Online-Shopping braucht es jedoch einige Erfahrungswerte, sonst endet die Einkaufstour im Internet im nervigen Blindflug.

Reicht ein Paar Schuhe für jede Art von Lauf? Oder sollte man gleich ein paar Modelle im Schuhschrank haben? Welcher Laufschuh ist „der beste“ für welchen Untergrund?

Idealerweise sollte man sein Lauftraining vielseitig bestreiten, so ist es auch mit den Laufschuhen. Je nachdem welche Einheit ansteht, sollte man auf ein spezielles Modell zurückgreifen. Wenn ich immer nur mit den gleichen Laufschuhen sämtliche Einheiten bestreite, erhöhe ich nicht nur den Verschleiß ungemein, sondern auch das eigene Verletzungsrisiko. Es spricht nichts gegen drei, vier Laufschuhpaare, die sich in den Bereichen Sprengung, Gewicht, Dämpfung und Flexibilität etwas unterscheiden. So ist bei langen Läufen eher ein komfortabler, ggf. stabiler und gut gedämpfter Laufschuh zu empfehlen, während bei Tempoläufen ein Lightweight-Trainer oder bei sehr schnellen Läufernaturen sogar eine Karbonplatten-Rakete denkbar ist. Es kann sogar einen Unterschied machen, ob man Tempoeinheiten mit Karbonplatte oder Nylonplatte absolvieren möchte. Letztere ist nämlich spürbar flexibler und weniger steif, liefert aber trotzdem einen hohen Vortrieb. Es gibt auch einige geniale Allround-Laufschuhe, die sowohl für Temposessions als auch Longruns geeignet sind. Die Auswahl ist schier riesig, am besten probiert man etwas durch und holt sich mehrere Meinungen ein.

Was sind die absoluten No-Gos in Sachen Laufschuhe finden?

Etwa mit Schuhen zu laufen, die die Elite trägt, aber überhaupt nicht zum eigenen Fuß passen. Ich habe beispielsweise einen breiten Fuß, brauche daher etwas breiter geschnittene Laufschuhe. Mit zu schmalen Laufschuhen gebe ich bereits nach wenigen Kilometern vollkommen entnervt auf. Falsche Schuhe drücken nicht nur böse, sie können auch Blasen oder Reibung herbeiführen. Genauso auch: Neue Laufschuhe in der vollkommen falschen Größe zu kaufen. Der Schuh sollte nicht zu klein gewählt werden, besser eine halbe Nummer größer ausfallen. Ein No-Go ist sicherlich auch, Laufschuhe mit zu viel Gewicht zu wählen, obwohl der Hersteller das Gegenteil behauptet. Was bringt mir ein Schuh, der mich nur einschränkt und belastet? Idealerweise sollte sich das Laufen leichtfüßig anfühlen. Oder auch: Schnürsenkel, die ständig aufgehen und zum Anhalten und Nachschnüren zwingen. Obermaterial, welches zu hart und steif konstruiert wurde, bringt auf Dauer nur Frust. Wichtig ist immer, sich über die potenziellen Schuhe zu informieren und genauer anzusehen. Manchmal sind auch Verschlechterungen gegenüber Vormodellen erkennbar!

Wie wichtig ist die Optik meines Laufschuhs? Nur Style oder steckt da mehr dahinter?

In allererster Linie sollte der Schuh technisch zu einem passen und natürlich Spaß und Freude auf den gewünschten Distanzen machen. Ein besonders auffälliges Erscheinungsbild kann sich aber tatsächlich positiv auf die Einstellung und Motivation auswirken. Wenn ich also mit der nagelneuen 250 Euro Karbonplatten-Rakete in schräger Pink-Optik an der Startlinie stehe, kann das eine ziemlich beflügelnde Wirkung haben. Das wiederum kann die Grundlage dafür sein, am Wettkampftag X noch mehr aus sich herauszukitzeln. Davon abgesehen sollten Laufschuhe aber natürlich zum eigenen Laufstil passen. Wenn man den richtigen Laufschuh jedoch gefunden hat, spricht nichts gegen ein besonders auffälliges Erscheinungsbild. Es muss vor allem selbst gefallen!

Woran erkennt man abgelaufene Laufschuhe? Und wie oft sollte ich die Laufschuhe wechseln oder neue Laufschuhe kaufen?

Das lässt sich nicht verallgemeinern und ist sicherlich vom Laufstil, Gewicht, Untergrund und Material abhängig. Sollte übermäßiger Abrieb an der Schuhsohle im Ballen- und Fersenbereich zu erkennen sein oder die Dämpfungseigenschaften – Falten oder Risse lassen grüßen – nachlassen, dann könnten das Hinweise auf besonderen Verschleiß sein. Gleiches gilt auch für nachlassende Grip-Eigenschaften – durch abgelaufene Sohlen kommt man vor allem auf nassen Böden nicht nur schneller ins Rutschen, sondern kann sich auch böse dabei verletzen. Neue Laufschuhe sollten einige 100 Kilometer halten – normalerweise 500, 600 Kilometer mindestens. Die meisten Karbonplattenraketen halten jedoch nur wenige 100 Kilometer. Ansonsten gilt: Laufschuhe können verwendet werden, solange sie rundum funktionstüchtig sind. Wenn also keine besonderen Beschädigungen festzustellen sind und sich das Laufen rund anfühlt, spricht nichts gegen einen Einsatz. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann mit zahlreichen Lauf-Apps auch die Laufleistung der verwendeten Schuhe tracken, um den alten Schuh rechtzeitig gegen ein neues Modell auszutauschen.

Und zu guter Letzt: berühmte letzte Worte und was du schon immer mal sagen wolltest!

Der Laufschuhmarkt ist in den letzten Jahren immer unübersichtlicher geworden. In puncto Produktbreite und -tiefe übertrumpfen sich die Hersteller mittlerweile gegenseitig. Trotz herrschender Unübersichtlichkeit sollte man sich als Läufer:in nicht verunsichern lassen. Es gibt zwar zahlreiche, relativ gute Laufschuh-Guides im Internet, das individuelle Gespräch beim Fachhändler ist und bleibt aber der beste Ansatz, um den idealen und wirklich passenden Laufschuh zu finden. Denn die kleinen Nuancen, die den Unterschied ausmachen, erkennen meistens wirklich nur die Profis.

 

* Enthält Kohlenhydrate

Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise sind wichtig.

 

Bildnachweis

Headerbild: @iStock.com/lzf